Unter deiner Haut

Gedichte

Dein Körper – eine Landschaft.
Meine Hände wandern zu gern
über die seidenweiche Textur deiner Haut.
Gehen auf Entdeckungsreise in einem neuen Land,
das noch aufregend fremd vor mir liegt.

Lustvoll bereise ich Hügel und Täler.
Erkunde jeden Spalt und jede Wölbung,
erfühle auch Narben, die keiner sieht…
Unter meinen Fingern zieht dein Leben vorbei.
Verborgenes wird sichtbar.

Ich atme dich ein, bis ich ankomme unter deiner Haut.

Schattenspuren (diesmal zum Hören)

Gedichte

Liebe Bloggerfreunde, ich habe mal ein kleines Experiment gestartet und ein Gedicht auch gesprochen (leider nur mit semiprofessioneller Technik). Bin gespannt, was ihr davon haltet.

Vorm ersten Licht
Zur Stunde des Wolfs
Brichst du in meine Träume ein
Bis ich aufwache
Zwischen klammheißen Laken
Käuzchenstille vorm Fenster
Nagendes unterm Dach
Wische ich deine Schattenspuren
Vergeblich von meiner Haut

 

Wieder blühen

Gedichte

 albertsee2

Warum ich im Herbst falle?
Weil ich im Sommer fliege.
Nichts hält mich drinnen, hält mich still
oder am Boden.
Arme ausbreiten, abheben – und sieh:
Die Luft trägt.
Ausatmen.
Im Herbst verlangsamen sich die Tage.
Die Erde wird schwer,
von allem, was darauf fällt.
Und so falle ich auch.
Rückzug ins Innen.
Einatmen – – –
Farben sammeln, Wärme und Licht.
Und irgendwann:
Wieder blühen.

Verfallen

Gedichte

Auffliegen wie der silberne Reiher
Am See heute Morgen.
Einatmen die frostklare Luft
Und den Erdgeruch gefallenen Laubs.

Auch ich fiel. Tage und Wochen
Wie Herbstlaub vom Himmel.
Getrieben von Wünschen
Und vom wirbelnden Wind.

Nun stehen die Bäume
Wie gezeichnet
Vorm lodernden Sonnenaufgang
Und was fallen musste, das fiel.

Stille zog in die leeren Zweige ein,
Am Boden Liegendes ruht nun und wandelt sich.
Es atmet leise aus sich erweiternder Brust

Und träumt vom innigen Flug.

Copyrigth Poeta 2016

Erster Frostmorgen

Fotos, Gedichte

 

Ein besonderer Moment im Jahr ist der erste Frostmorgen. Wenn das Land starr liegt, mit Reif überzogen. Und mit dem Sonnenaufgang beginnt das glitzernde Wunder…

NOVEMBERMORGEN

Auf dem gefallenen Blatt
glimmen frosterstarrt
letzte Funken eines großen Sommers.

Wir hauchen warmen Nebel in die Hand,
während die Sonne das gefrorene Land
langsam mit Licht überzieht.

Weiße Reiher fliegen auf, schwerelos.
Die Flügel golden durchleuchtet und groß
vorm erwachenden Tag.

Wunder aus Licht im Abschiedsverzagen.
Uns fängt nicht die Kälte, denn wir tragen
in uns warme Sommerfunken.

Herbstmorgen

Gedichte

Den Duft nach Reife trägt die Luft
Und auch im Licht sind erste schwarze Töne.
Komm bald, mein Liebster,
denn der Sommer geht vorbei.

Es bleibt nur wenig Zeit
Auf Wiesen noch zu liegen
In warmen Wassern zu treiben
Die Sonne im Gesicht.

Leg dir die Hand aufs Herz
Ich spür es schlagen
Lass uns ineinander wachsen
Für eine kleine Zeit

Halt an den Augenblick
Für ein Stückchen Sommerewigkeit.

Herz aus Glas

Gedichte

Auf den Straßen kocht der Asphalt.
Die Gräser dürren am Halm zu Heu.
Und ermattet liegen alle Blumen,
die du zu meinem Empfang hast gesät.

Blau knallt der Himmel auf uns nieder,
aus schlaffem Gezweig winkt ratlos der Wind.
Und stöhnend lieben wir die heißen Stunden,
die wohl die letzten dieses Sommers sind.

Unsere Gesichter nah und näher
atmen wir nur noch Haut an Haut.
Wir leben im Schatten vergangener Tage.
In einem Schloss aus glühendem Sand gebaut.

Und so viel ich unter deiner
zärtlichen Hand vergaß:
Mein Herz aber, mein Liebster,
ist ein Ding aus Glas.

An der Biegung des Flusses

Gedichte

Morgennebel2jpg

Am Abend,
an der Biegung des Flusses,
unter den flechtenbehangenen Erlen,
vertrau ich dem Wasser alle Nöte an.

Wie gelassen rauscht das Flüsschen
auf stets demselben Weg durchs Tal:
Von der Quelle zur Mündung,
vom Beginn zum Ende
(das immer neuer Anfang ist).

Fern im Dorf das Abendläuten.
Im schwindenden Licht
will ich forttreiben lassen,
was mich anficht,
versenken, was beschwert.

Wie viel leichter der Schritt
durch das Moos zurück.
Nicht müde werden will ich,
dem Fluss zu gleichen
in der Obhut alter Erlen.

Konzert der Kiefern

Gedichte

Konzert der Kiefern
im Sommerwind
die schlanken Stämme
wiegen sich und singen
hölzerne Töne
knarrend,
als öffneten sich alte Türen.
Ein Zilpzalp webt Fäden
aus hellen Noten
in das Reiben des Astwerks.
Der Milan wirft sein schrilles Wiieehh zwischen die Wipfel —
Und wispernd setzt der Regen ein…

„Alles ist voller Feen!“, ruft mein Kind,
die Hand im Moos vergraben.
Gelehnt an eine alte Fichte
sitz ich beschirmt
und warte, dass die Pilze wachsen.