Es war

Gedichte

Es war das Jahr,
in dem wir die Schmetterlinge vermissten
als wir durch die blühenden Gärten gingen,
Hand in Hand.

Es war das Jahr,
in dem es stiller wurde zwischen den Blüten,
weil Volk um Volk der Bestäuber
plötzlich spurlos verschwand.

Es war das Jahr, in dem wir bemerkten,
dass unsere Idylle trügerisch war,
dass der unermessliche Vorrat an allem
sich aufbrauchte
und dass das Aufbrauchen unaufhaltsam war.

Es war das Jahr, in dem wir fast verzweifelt
mehr und mehr Blumen säten.
Und den Sommer einatmeten,
als ob er der letzte wäre dieser Art.

Es war das Jahr,
in dem wir einander so innig hielten,
als flöge uns die Zukunft
mit den Schmetterlingen davon.

 

Text & Foto: Sandra Blume 2017

Erste Mahd

Gedichte

Zwischen Himmel und Acker
steht flatternd
die Lerche im Blau.
Ihr Jubelgesang rührt dich an.

Wenn auf den wüchsigen Wiesen
noch goldgelber Hahnenfuß leuchtet,
ruft er dir langhelle Tage auf,
die träge sind von großer Hitze
und Reife duften aus dem hohen Gras.

Du erinnerst Sternschnuppennächte
Rotwein, Küsse, Gelächter…

Verheißungsvoll kündigt im Mai
dir alles den Sommer an.
Sehnsüchtig erwarteter, glückseliger Sommer …

Wie viele hast du noch?
Das Verleibende in Sommern gezählt,
ergibt eine allzu überschaubare Zahl.

Bette dich unter den Lerchenhimmel,
belausche die Gräser beim Wachsen
und zähle die Blüten des Hahnenfuß.
Unten im Dorf beginnt schon
die erste Mahd.

Text & Foto: Sandra Blume, Mai 2017

Mauersegler

Gedichte

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schrillschreiende
sommerboten
zerschneiden wieder die himmel
über den trägen nachmittagen

im honiglicht
sitzen wir am fenster
und laden hoffnung
auf ihre sichelflügel

komm, sag ich: jubeln wir uns durchs blau
bodenkontakt ist nicht länger nötig
und schlafen können wir einfach im flug

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Mauersegler sind erstaunliche Vögel. Sie verbringen den größten Teil ihres Lebens in der Luft. Bis zu zehn Monate, ohne ein einziges Mal zu landen. Sie essen im Flug, sie lieben sich im Flug und sie schlafen sogar während sie fliegen.

Text & Foto: Sandra Blume

Herbstmorgen

Gedichte

Den Duft nach Reife trägt die Luft
Und auch im Licht sind erste schwarze Töne.
Komm bald, mein Liebster,
denn der Sommer geht vorbei.

Es bleibt nur wenig Zeit
Auf Wiesen noch zu liegen
In warmen Wassern zu treiben
Die Sonne im Gesicht.

Leg dir die Hand aufs Herz
Ich spür es schlagen
Lass uns ineinander wachsen
Für eine kleine Zeit

Halt an den Augenblick
Für ein Stückchen Sommerewigkeit.

Herz aus Glas

Gedichte

Auf den Straßen kocht der Asphalt.
Die Gräser dürren am Halm zu Heu.
Und ermattet liegen alle Blumen,
die du zu meinem Empfang hast gesät.

Blau knallt der Himmel auf uns nieder,
aus schlaffem Gezweig winkt ratlos der Wind.
Und stöhnend lieben wir die heißen Stunden,
die wohl die letzten dieses Sommers sind.

Unsere Gesichter nah und näher
atmen wir nur noch Haut an Haut.
Wir leben im Schatten vergangener Tage.
In einem Schloss aus glühendem Sand gebaut.

Und so viel ich unter deiner
zärtlichen Hand vergaß:
Mein Herz aber, mein Liebster,
ist ein Ding aus Glas.