Das ist immer noch das Land

Gedichte

Das ist immer noch das Land
Aufleuchtender Dörfer
Im Mosaik der Felder.
Aus den roten Dächern
Über Fachwerkgiebeln
Ragen immer noch unverzagt
Die Türme der Kirchen.
Hinterm Ortsschild weidet das Vieh
Auf schäumigen Wiesen.
Umrahmt von dunstigen Wäldern
Zwischen den rollenden Hügeln
Überzogen mit Schlehen
Kennen die Dörfer die Stille
Beim Einatmen der Jahreszeiten.
Ihre holpernden Gassen
Ausatmen Erinnerung an
Sonnige Kindertage
An währende Momente
Kostbar unvertakteter Zeit.

Die Dörfer sind der Ursprung des Landes
Sind Seelenknoten seiner Topographie
Sind ausblutendes Netz aus Traditionen
Und sich leise verlierender Funktion – –

Das ist immer noch das Land
Aufleuchtender Dörfer
(Im Mosaik der Felder)
Um die ich meine Hände
Wenn ich könnte
Sachte schützend lege.

Text & Foto Sandra Blume, September 2017

 

Flüsternde Bojen – Montagsrettung //3

Hörgedichte

Den Montag heute mit einem Gedicht von Anton G. Leitner auf DAS GEDICHT-Blog gerettet. Also hoffe ich jedenfalls 😉

Der Montag ist der unbeliebteste Tag der Woche. Für die meisten Deutschen zumindest. Der Montagsblues ist viel besungen und beschrieben – und tatsächlich kommen viele am Montag noch schlechter aus dem Bett als an anderen Tagen. Montags gibt’s die meisten Krankmeldungen, Unfälle und Herzinfarkte, sogar E-Mails sollen montags mehr Schreibfehler enthalten. Höchste Zeit also, Gegenmaßnahmen…

über Lyrik rettet den Montag – Folge 3: Die Bojen flüstern — DAS GEDICHT blog

Herzweise – Unsere Anthologie ist da!

Gedichte

Was für ein schönes Gefühl, dieses besondere Buch in den Händen zu halten! Und eine erste Rezension ist auch schon da:

Fünf Autoren haben alle Regler heruntergefahren und abgeschaltet. Dann haben sie gelauscht. Herausgekommen ist der im Verlag in der Lindenstraße erschienene Sammelband „Herzweise – 100 Gedichte der Gegenwart“, dessen Leitmotiv die Stille ist: „Gestrüpp der Stille“ (Simone Lucia Birkner) – “unzählige Arten der Stille” (Sandra Blume) – “Dunkelheit. Stille“ (Hannah Buchholz) – „dieses leise klirren in der stille“ (Diana Jahr) – „stille – dieser letzte aller verse“ (Á. M. Perezáno). Sie kommen auf leisen Sohlen daher, diese 100 Gedichte, unaufdringlich, präzise, aufgeschlossen für das Unscheinbare. Er wolle einen Schatten pflanzen, ist bei Perezáno zu lesen, Birkner schreibt von zusammengekehrtem Stundenlaub, Blume vom Licht zwischen ihren Fingern, Buchholz vom Kaffee im Morgennebel, Jahr von der Weichheit der Hornisse und einer Mondbraue. 100 Gedichte zum Hinhören und Hinsehen. 100 Gedichte zum Entschlacken. 100 Gedichte, die herzweise dem Hier und Jetzt abgelauscht sind.

Reinhard Ammer

Weitere Informationen zur Anthologie sind hier zu finden: HERZWEISE

Das Buch ist ab sofort überall im Buchhandel erhältlich, beim Verlag sowie auch bei amazon.

Montagsrettung – zum Hören

Hörgedichte

Zum Aufstehen gibt es heute Ringelnatz auf die Ohren! Wünsch Euch Morgenwonne!

Der Montag ist der unbeliebteste Tag der Woche. Für die meisten Deutschen zumindest. Der Montagsblues ist viel besungen und beschrieben – und tatsächlich kommen viele am Montag noch schlechter aus dem Bett als an anderen Tagen. Montags gibt’s die meisten Krankmeldungen, Unfälle und Herzinfarkte, sogar E-Mails sollen montags mehr Schreibfehler enthalten. Höchste Zeit also, Gegenmaßnahmen…

über Lyrik rettet den Montag – Folge 2: Morgenwonne — DAS GEDICHT blog

Lyrik rettet den Montag – ab 06. November auf DAS GEDICHT blog

Gedichte

Ich freue mich riesig, dass ich ab nächsten Montag eine eigene Rubrik auf dem Blog der renommierten Lyrikzeitschrift DAS GEDICHT haben werde und ich freue mich noch mehr, wenn Ihr dort mal vorbei schaut!

Der Montag ist der unbeliebteste Tag der Woche. Für die meisten Deutschen zumindest. Der Montagsblues ist viel besungen und beschrieben – und tatsächlich kommen viele am Montag noch schlechter aus dem Bett als an anderen Tagen. Montags gibt’s die meisten Krankmeldungen, Unfälle und Herzinfarkte, sogar E-Mails sollen montags mehr Schreibfehler enthalten. Höchste Zeit also, Gegenmaßnahmen…

über Lyrik rettet den Montag – ab 06. November auf DAS GEDICHT blog — DAS GEDICHT blog

Found place – Schloss Reinhardsbrunn

Fotos

Am Wochenende habe ich wieder einen scheinbar verlorenen, einen sich allmählich verlierenden Ort gefunden. Kloster Reinhardsbrunn war einst die Grablege der Thüringer Landgrafen. Das auf den Resten des Klosters entstandene neogotische Schloss aus dem 18. Jahrhundert beherbergte viele berühmte Häupter – unter anderem mehrmals Königin Victoria. Leider geriet es nach der Wende zum Spekulationsobjekt und steht seit 2004 leer. Zum Schutz vor Vandalismus sind die Tore von Schloss und Park seit einigen Jahren fest verriegelt und öffnen sich nur zu gelegentlichen Führungen. Das leise verfallende Schloss zu sehen, war ein berührendes Erlebnis, das mich gleichermaßen verzückt und traurig gemacht hat. Aber es gibt noch Hoffnung für das Objekt: seit Frühjahr dieses Jahres läuft das Enteignungsverfahren und Thüringen betritt juristisches Neuland, um das Schloss zu retten.


Fotos: Sandra Blume

Sommerende

Gedichte

Über uns sind
Fliehende Himmel
Sturmwind haben wir
Und Krähen im Haar
Wipfel tanzen
Im Trommelregen
Hardcore Metal
Und schütteln aus
Das erste tote Laub
Mottenzerfressene
Kastanienblätter
Fegen schon kratzend
Über den Asphalt
Wir stöhnen
„Herbst“
Im schwindenden Licht
Und fröstelnd
Am Abend

Aber die Brombeerranke
Die Widerspenstige
Treibt unverdrossen
Neue Blüten

 

Text & Fotos Sandra Blume, September 2017

 

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Herbstzug

Gedichte

Am Morgen wogt Nebel im Tal,
Gleist Sonne vorm Offenen,
Umschwärmen Uferschwalben
Das Haus auf dem Hügel.
Unter zweihundert Flügelschlägen
Wird der Erker Steilküste,
Der Balkon Schiffsbug.
Wann stichst du
In See?
Andere haben Sonntag.
Fernlandig: Glockenläuten.
Wir ruhen auf den Nebelbänken,
Am Sammelpunkt der Gefühle
Für den Zug in den Herbst.

 

Text & Foto Sandra Blume, August 2017

Angrenzend

Gedichte

Drinnen war es friedlich
Als sie den Kopf an seine Schulter legte
Vorm Fenster stand Hitze
Als Nachbars Hahn zu krähen begann
Das Windspiel klimperte verloren
Als er sie behutsam auf seinen Körper zog

So lagen sie dämmernd
Und wie eins auf den Kissen
Ganz still umarmt
Als der Nachmittag verann
Und ihr Atem hob und senkte sich
Wie eins
Als der Hahn von neuem zu krähen begann

Und als er zum siebenten Male krähte
Da hob sie ihr Hemd
Da hob sie sein Hemd
Und presste Haut auf sehnsuchtsvolle Haut

So lagen sie friedlich lange
Und sagten kein einziges Wort
Als ihre Häute allmählich begannen
Dort, wo sie angrenzten
Zusammen zu wachsen.

Text & Foto Sandra Blume, 2017