An der Biegung des Flusses – ein Buch über die Werra

Prosa


AN DER BIEGUNG DES FLUSSES – ein Buch über die Werra

Wer in der Geschichte eines Flusses liest, versteht auch seine eigene Geschichte. Die erste Flussbiographie der Werra lässt Thüringens zweitgrößten Fluss in all seinen Facetten aufleuchten. „An der Biegung des Flusses“ nimmt die Leser mit auf eine Wanderung, immer dicht entlang der Werra, abseits der Wege und nicht selten durch eine beinahe unentdeckte, verborgene Wildnis. Die Autorin verwebt – ganz in Sinne des Nature Writing – packende, in der Ich-Perspektive geschriebene, Wandererlebnisse und poesievolle Naturbeschreibungen mit Sachinformationen zu den unterschiedlichsten Themen.

„Ich bin viele Kilometer gegangen und habe viele Stunden am Fluss gesessen, beobachtet und geschrieben. Ging ich mehrere Tage hintereinander, hatte ich nicht selten das Gefühl, in der schmalen Wildnis rechts und links der Ufer selbst zu verwildern. Meine Gedanken waren, wenn ich am Fluss ging, einzig und allein beim Fluss, den ich in seinem Wesen und all seinen Aspekten zu erfassen und zu verstehen suchte.“

Der reich bebilderte und mit Zeichnungen der Autorin illustrierte Band ist ein Heimatbuch im besten Sinne – zum Schwelgen, Entdecken und Verstehen.

Das Buch erschien Ende August 2022 im Mitteldeutschen Verlag Halle, nach knapp drei Monaten war die Erstauflage von 1200 Exemplaren bereits vergriffen. Die 2. Auflage ist seit Februar 2023 im Buchhandel.
www.mitteldeutscherverlag.de

ZU DEN LESETERMINEN

PRESSESTIMMEN

»Sie kann den Horizont literarisch weiten und Welten erzeugen. (…) Ihr Hauptthema aber ist Schönheit. Und „die tiefe Liebe zur Landschaft meiner Heimat.“ Dem wird sie sehr gerecht. „An der Biegung des Flusses“ hätte Chancen auf den nächsten Titel „Deutschlands schönstes Regionalbuch.« 
Michael Helbing THÜRINGER ALLGEMEINE/Feuilleton, 20. Dezember 2022

»In den Fotografien liegt eine besondere Stärke des Bandes, sie zeigen den Fluss in allen erdenklichen Jahreszeiten und Lichtstimmungen. Dazu gibt es am Ende ein paar konkrete Vorschläge für Wanderrouten. Was will man mehr?«
Sabine Frank, MDR Kultur, 16. November 2022

»Es ist ein Genuss, das Buch durchzublättern.«
Heidis Literaturblog, Heidi Zengerling, 2. September 2022

KONTAKT ZUR AUTORIN

anderbiegungdesflusses(at)gmx.de

VOM HEILIGEN BERG

Allgemein

Für Uneingeweihte ist der Weg zum Heiligen Berg schwerlich zu finden. Im Dorf, das nahe des Berges liegt, steht nur ein einziger Wegweiser, der in die schmale Straße namens Himmelreich hinauf zeigt. Die Straße aber endet mit den letzten Häusern am Berghang und geht in einen Feldweg über, der mitnichten zum Heiligen Berg führt.

Der Heilige Berg ist ein eigentümlicher Ort. Inmitten des Rotliegenden schiebt er sich als Muschelkalkverwerfung aus dem Grund empor. Ein schmaler, langgestreckter Bergkamm, ein knochiges Rückgrat, auf dem ein enger Pfad entlangführt. Wie Schenkel eines spitz zulaufenden Dreiecks liegen Abhänge an beiden Seiten des Pfades. Überall wachsen gekrümmte, bemooste, verwitterte Bäume. Silberne Buchen und Eichen mit rissiger Borke, deren Stämme am unteren Ende bauchige Auswüchse bilden. Mag sein, dass die Bäume weitaus älter sind, als ihre knorrigen schmalen Kronen vermuten lassen. Muschelkalk liegt in kleinen und größeren Brocken im nassen Laub der Hänge, als wären uralte Gesetzestafeln zu Scherben gegangen.

Unscheinbare Wildpfade sind die einzigen Wege dorthin, die ich kenne. Manche so steil, dass der Fuß ins Rutschen gerät, andere sanfter, unter Weidezäunen hindurch tauchend.

An beiden Enden des Bergrückens verliert sich der buckelige Pfad unvermutet im Unterholz. Und doch hängen auf halber Strecke des wenige hundert Meter langen Weges in einem kleinen Schrein, hoch oben am Baum, ein Marienbild und der gekreuzigte Jesus. Darunter ein hölzernes, handbemaltes Schild, das den Heiligen Berg mit seinen 425 Metern Höhe vorstellt. Es ist etwas an diesem Berg, das mich nicht loslässt. Wieder und wieder steige ich hinauf. Eine alteingesessene Dorfbewohnerin hat mir von einer Einsiedelei, die es vor Jahrhunderten auf dem Berg gegeben habe, und von einem hölzernen Aussichtsturm späterer Tage erzählt.

Meine Gedanken wandern. Ich suche nach Versteinerungen im Muschelkalk. Linien, Punkte, Halbkreise – die Steine scheinen mit seltsamen Schriftzeichen versehen zu sein. Nachrichten aus der Geschichte der Erde, für den, der sie zu lesen versteht. Ich verstehe die Sprache der Steine nicht. Als ich einen aufhebe, um ihn näher zu betrachten, liegt plötzlich nackt und bloß eine kleine Schnecke auf dem Erdboden, die sich unter dem Stein vor dem Frost verbarg. Behutsam decke ich sie wieder zu.

Ich stehe auf dem bröckeligen Muschelkalk und frage mich, wie eine Einsiedelei auf dem schmalen Bergrücken Platz gefunden haben kann und wo der Turm, der restlos verschwand, dereinst stand. Wie nur hat ein Mensch an diesem Ort leben können. Ein Leben auf der Kippe, auf schmalem Grat zwischen den harten Bruchstücken der Steine und den verdrehten Ästen der Bäume.

Über dem gekrümmten Rücken des Heiligen Berges hängt die Einsamkeit dichter als anderswo. Ich steige auf Berge, um ihre Erhabenheit zu spüren, wenn ich von hoher Warte über das Land sehe. Der Heilige Berg aber bietet an keiner einzigen Stelle einen Ausblick ins Tal. Hier hinauf steige ich, wird mir klar, um in mich selbst hinein zu blicken. Um die Gedanken auszuruhen zwischen Moos und Muschelkalk. Nichts ist wichtiger als das Jetzt, als dieser Augenblick, in dem das wetterverblichene Buchenlaub am Ast raschelnd flattert und ich versuche, die Botschaft des Steins zu entziffern, der den Winterschlaf der Schnecke behütet. In meinem Kopf trage ich immer eine kleine Einsiedelei. Sie öffnet ihre Pforten an Orten wie diesem und dann kehre ich in ihre Stille ein.

Rezension zu „An der Biegung des Flusses“ von Peter Bühner in „Mühlhäuser Beiträge“

Rezensionen

Peter Bühner, Historiker und ehemaliger Bürgermeister der Stadt Mühlhausen, hat eine ganz wunderbare Rezension zu „An der Biegung des Flusses – ein Buch über die Werra“ verfasst.

(…) Und genau so hat die Autorin die reichlich 120 Kilometer des Werra-Laufes, denen ihr Buch gilt, bewältigt und dabei auch die Seele der Werra entdeckt. Ihr ist es auf eine einzigartige Weise gelungen, in ihrem Text wissenschaftlich fundierte Informationen mit einer poesievollen Darstellung zu verbinden. Ihre Sprache verrät, dass die Autorin auch eine begabte Lyrikerin ist – fachlicher und literarischer Anspruch werden nur selten so gleichwertig bedient. (…)

(…) die durchweg ausgezeichneten, immer eine besondere Stimmung einfangenden Fotos weisen die Autorin auch als eine begnadete Fotografin aus und tragen dazu bei, die verschiedenen, sich stets wandelnden Gesichter des Flusses erlebbar zu machen. Sandra Blume hat ein jedes Mal den richtigen Augenblick, das richtige Licht abgepasst für das, was sie im Bild festhalten und zeigen möchte. Ihre Fotos weisen sie nicht minder als ihre Texte als Poetin aus, die sich ihrem Sujet gleichermaßen rational wie emotional nähert und beide Sichtweisen überzeugend zu verbinden vermag.(…)

Hier kann man den kompletten Beitrag lesen:

Lesungen 2026

Prosa

DER LADEN e.V. Kunstverein Gerstungen – Samstag, 18. April um 18 Uhr – „Von Wurzeln und Wegen – eine literarische Landschaftsreise“
Ort: Gartenstraße 3, Gerstungen

Botanischer Garten Eschwege – Sonntag, 17. Mai um 16 Uhr – aus dem Buch „An der Biegung des Flusses“
Ort: Botanikhaus

Thüringer Orgelsommer – Freitag, 3. Juli – „Flussgeschichten in Wort und Musik“ – Lesekonzert mit Christoph Seestern-Pauly an der Orgel
Ort: St. Katharina-Kirche Dippach

Thüringer Orgelsommer – Mittwoch, 8. Juli „Flussgeschichten in Wort und Musik“ – Lesekonzert mit Christoph Seestern-Pauly an der Orgel
Ort: Stadtkirche Meiningen


Das waren die Lesungen „An der Biegung des Flusses“ 2025/2024/2023/2022:

-2025-
Eisenach – Sonntag, 9. November – „Flussgeschichten in Wort und Musik“ – Lesekonzert mit Christoph Seestern-Pauly am Flügel
Kammerforst – Samstag, 25. Oktober
Heringen – Freitag 14. März 2025 – zum „Heringer Museumsabend“ des Werra-Kalibergbau-Museums
Leipziger Buchmesse – Donnerstag, 27. März 2025 – Lesung aus der Reclam-Anthologie „Jede Jahreszeit ist schön“
-2024-
Breitau – Mittwoch, 19. Juni 2024 – Lesekonzert im Rahmen der „Werra Jazz Woche“ des Jazzclub Eschwege
Herleshausen – Sonntag, 16. Juni 2024- Meditativer Flussgottesdienst am Werraufer mit Lesung, Flusssegnung und Flussmeditation
Eisenach – Freitag, 31. Mai 2024 – Nikolaikirche – Lesekonzert mit Christoph Seestern-Pauly an Orgel und Flügel
Tiefenort – 25. April 2024 Evangelisches Gemeindehaus
Sontra – 31. Januar 2024 – Hotel Link
-2023-
Witzenhausen – Freitag, 17. Februar – Café Ringelnatz
Berka/Werra – Samstag, 25. Februar – Waldenberger Hof
Weimar – Donnerstag, 6. April – Literatur ETAGE, Literarische Gesellschaft Thüringen
Mühlhausen – Mittwoch, 26. April – Stadtbibliothek in der Jakobikirche
Berka v. d. Hainich – Freitag, 12. Mai – Rokoko-Kirche
Mihla – Samstag, 3. Juni – Bürgerhaus „Goldene Aue“
Picknicklesung Brandenburg Lauchröden – Sonntag, 25. Juni – (Veranstaltung der Thüringer Literaturtage 2023)
Flussgenuss – literarische Floßfahrt auf der Werra – 5. August
Ettenhausen/Suhl – 3. September – Bürgerhaus
Gospenroda – Mittwoch, 6. September – Heimatvereinsgebäude in der Erich-Weinertstraße
Ifta – 22. September – Trinitatiskirche
Heldra – 24. September – River Writing – Begegnungen am Fluss Gemeinsame Lesung mit der österreichischen Lyrikerin Siljarosa Schletterer („Flussdiktate“) – Herberge im Kleegarten Heldra – Gefördert von der Literarischen Gesellschaft Thüringen
Wommen – Mittwoch, 25. Oktober – Margot von Schutzbar Stift
Bettenhausen (Rhönblick) – Sonntag, 5. November – Alte Schule
Bad Sooden-Allendorf – Sonntag, 12. November – Café Clown
Eisenach – Freitag, 24. November – Nikolaikirche am Karlsplatz
-2022-
Hörschel – Sonntag, 17. Juni
Creuzburg – Sonntag, 17. Juli
Merkers – Buchpremierenlesung am Freitag, 2. September
Gerstungen – Samstag, 3. September
Falken (Treffurt) – Freitag, 9. September
Altefeld (Herleshausen) – Samstag, 24. September
Völkershausen (Wanfried) – Freitag, 30. September
Ruhla – Freitag, 14. Oktober
Wendehausen – Sonntag, 30. Oktober
Bad Salzungen – Freitag, 4. November
Völkershausen (Vacha) – Samstag, 12. November
Heldra – Sonntag, 17. Dezember

Lichtfänger

Gedichte

Seit 19 Jahren gibt die Literarische Gesellschaft Thüringen jedes Jahr ein Gedichtbändchen heraus und stellt damit einen Autor oder eine Autorin aus Thüringen vor. 16 meiner Gedichte und zwei wunderschöne grafische Arbeiten von Arne Panke aus Gerstungen sind nun seit Weihnachten gedruckt. Ich freue mich sehr darüber! Wer Interesse hat, kann den Gedichtband unter www.literarische-gesellschaft.de/publikationen/jahresgaben für ein ganz kleines Geld erwerben.

#dorfdichterin #heimatlyrik #Thüringen #wartburgkreis

Anker in der Zeit

Gedichte

Dinge, die sich nicht ändern,
sind wie Anker in der Zeit.
Wie die Tauben
auf dem Dachfirst des Waldhofes,
die seit Jahr und Tag
Morgensonne auf dem Gefieder haben.
Wie der Waldhof selbst,
wo der Großvater die Kühe zur Weide trieb,
dann der Vater
und nun der Sohn.

Dinge, die sich nicht ändern,
sind wie Anker in der Zeit.
An denen der Blick Halt findet,
an denen der Gedanke Halt findet,
im unablässigen Fortschritt,
der sich in Schichten
auf die Landschaft legt
und die Vertrautheit der Dinge
fremd überzieht.

Bis auch dieses Fremde
mit den Jahren
Gewohntes wird.
Während zugleich
die verlorenen Dinge noch immer
wie unsichtbare Löcher
in der erinnerten Gegend klaffen.

Vergangenes verschwindet
nie vollständig.
Es ruht nur verborgen
unter den Krusten
abgelaufener Zeit.

Die Kopfweiden am Weg,
der Kirchturm im Dorf,
die Tauben auf dem Dach
sind Gegenstand zahlloser Engramme –
wie Inschriften auf einem Stein
mir ins Gedächtnis geprägt –
sind Dinge, die sich nicht ändern,
sind Anker meiner Lebenswelt.

Text & Foto Sandra Blume

 

Was macht eigentlich Poeta?

Allgemein

Ihr Lieben!

ich habe mich etwas rar gemacht auf diesem Blog und zumeist eher auf facebook veröffentlicht. Es war – wenngleich für Euch kaum sichtbar – für mich ein sehr aktives Jahr:

Ich habe in Eisenach mit Freunden ein großes Literaturfest organisiert und auch selbst in Weimar auf dem juliimjuni-Festival gelesen. Eine besonders große Freude war mein (digitaler) Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse, am Stand des Freistaats Thüringen mit meinem Gedicht „Anker in der Zeit“. Die Messebesucher konnten ein eigens dafür gedrehtes Video dazu sehen und natürlich hören.

Der Verlag Thüringer Landstreicher hat im September einen Wandkalender mit meinen Fotos und Texten herausgegeben, der hier in der Region in den Buchhandlungen zu haben ist. Zumindest noch 😉

Und aktuell habe ich für die Literaturzeitschift DASGEDICHT eine Netzanthologie herausgegeben und hörbar gemacht. Über 40 Lyriker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich mit mehr als 100 Texten an der Ausschreibung „Das flüchtige Schöne einfangen“ beteiligt.  Ab 16. Januar wird die Anthologie in Folgen auf DASGEDICHTblog veröffentlicht.

Es war also nur vermeintlich still um mich und ich bin froh, wenn zum Jahresende nun endlich ein wenig Ruhe einzieht.

Ich sende Euch liebe Grüße aus dem Hügelland und wünsche Euch einen zauberhaft schönen Advent!

Sandra Blume

Buchmesseo

Bernshäuser Kutte

Fotos

Immer und immer zieht es mich zum Wasser. Zu Flüssen, Teichen und verwunschenen Seen. Fünfzig Meter tief ist der Erdfallsee Bernshäuser Kutte in der thüringischen Rhön. Sein Wasser ist wie Seide und darüber liegt eine eigenartige Lautlosigkeit. Kein zulaufender Bach plätschert und vom stürmischen Wind des Tages erreicht nur eine sachte Brise das Wasser im stillen Krater.