Lichtfänger

Gedichte

Seit 19 Jahren gibt die Literarische Gesellschaft Thüringen jedes Jahr ein Gedichtbändchen heraus und stellt damit einen Autor oder eine Autorin aus Thüringen vor. 16 meiner Gedichte und zwei wunderschöne grafische Arbeiten von Arne Panke aus Gerstungen sind nun seit Weihnachten gedruckt. Ich freue mich sehr darüber! Wer Interesse hat, kann den Gedichtband unter www.literarische-gesellschaft.de/publikationen/jahresgaben für ein ganz kleines Geld erwerben.

#dorfdichterin #heimatlyrik #Thüringen #wartburgkreis

Was macht eigentlich Poeta?

Allgemein

Ihr Lieben!

ich habe mich etwas rar gemacht auf diesem Blog und zumeist eher auf facebook veröffentlicht. Es war – wenngleich für Euch kaum sichtbar – für mich ein sehr aktives Jahr:

Ich habe in Eisenach mit Freunden ein großes Literaturfest organisiert und auch selbst in Weimar auf dem juliimjuni-Festival gelesen. Eine besonders große Freude war mein (digitaler) Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse, am Stand des Freistaats Thüringen mit meinem Gedicht „Anker in der Zeit“. Die Messebesucher konnten ein eigens dafür gedrehtes Video dazu sehen und natürlich hören.

Der Verlag Thüringer Landstreicher hat im September einen Wandkalender mit meinen Fotos und Texten herausgegeben, der hier in der Region in den Buchhandlungen zu haben ist. Zumindest noch 😉

Und aktuell habe ich für die Literaturzeitschift DASGEDICHT eine Netzanthologie herausgegeben und hörbar gemacht. Über 40 Lyriker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich mit mehr als 100 Texten an der Ausschreibung „Das flüchtige Schöne einfangen“ beteiligt.  Ab 16. Januar wird die Anthologie in Folgen auf DASGEDICHTblog veröffentlicht.

Es war also nur vermeintlich still um mich und ich bin froh, wenn zum Jahresende nun endlich ein wenig Ruhe einzieht.

Ich sende Euch liebe Grüße aus dem Hügelland und wünsche Euch einen zauberhaft schönen Advent!

Sandra Blume

Buchmesseo

DAS GEDICHTblog : Das flüchtige Schöne einfangen

Gedichte

Für eine neue Netz-Anthologie macht sich das Online-Forum der Zeitschrift DAS GEDICHT, http://www.dasgedichtblog.de, auf die Suche nach dem Schönen. Über Jahrhunderte war die Kunst auch eine Instanz der Ästhethik. Seit längerem aber herrscht die Scheu vor einer Makellosigkeit der Oberfläche im modernen Kunstbetrieb. Welcher Künstler im 21. Jahrhundert möchte schon dem Verdacht ausgesetzt sein, seine…

über Letzte Erinnerung: Einreichungen zur neuen Netz-Anthologie »Dem Schönen abgelauscht« bis 31. Mai — DAS GEDICHT blog

Liebe Schreibende hier auf WordPress – ich freue mich, wenn ihr Euch beteiligt! Bin gespannt auf Eure Texte!

Liebe Grüße Sandra Blume

Licht

Gedichte

Rotwild unterm Regen
An den fransigen Rändern
Bracher Felder
Die dunkel vor Nässe
Im farbverlorenen Land
Aufglänzen

Dahinter kein Horizont
Die Welt in Auflösung
An allen Kanten

Dann dieser Moment:
Da bist du
Reines Licht
Das wie Sonne
Durch ein Glas Wasser fällt
Und bunte Schatten wirft
Aus einer Tiefe

Für einen Moment
Der lichtlosen Zeit
Entrissen
Ausgeleuchtet vom Glück

Während friedlich das Wild äst
Im nicht endenden Regen

Text & Foto: S.Blume

Sommerende

Gedichte

Über uns sind
Fliehende Himmel
Sturmwind haben wir
Und Krähen im Haar
Wipfel tanzen
Im Trommelregen
Hardcore Metal
Und schütteln aus
Das erste tote Laub
Mottenzerfressene
Kastanienblätter
Fegen schon kratzend
Über den Asphalt
Wir stöhnen
„Herbst“
Im schwindenden Licht
Und fröstelnd
Am Abend

Aber die Brombeerranke
Die Widerspenstige
Treibt unverdrossen
Neue Blüten

 

Text & Fotos Sandra Blume, September 2017

 

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Erste Mahd

Gedichte

Zwischen Himmel und Acker
steht flatternd
die Lerche im Blau.
Ihr Jubelgesang rührt dich an.

Wenn auf den wüchsigen Wiesen
noch goldgelber Hahnenfuß leuchtet,
ruft er dir langhelle Tage auf,
die träge sind von großer Hitze
und Reife duften aus dem hohen Gras.

Du erinnerst Sternschnuppennächte
Rotwein, Küsse, Gelächter…

Verheißungsvoll kündigt im Mai
dir alles den Sommer an.
Sehnsüchtig erwarteter, glückseliger Sommer …

Wie viele hast du noch?
Das Verleibende in Sommern gezählt,
ergibt eine allzu überschaubare Zahl.

Bette dich unter den Lerchenhimmel,
belausche die Gräser beim Wachsen
und zähle die Blüten des Hahnenfuß.
Unten im Dorf beginnt schon
die erste Mahd.

Text & Foto: Sandra Blume, Mai 2017

Mauersegler

Gedichte

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schrillschreiende
sommerboten
zerschneiden wieder die himmel
über den trägen nachmittagen

im honiglicht
sitzen wir am fenster
und laden hoffnung
auf ihre sichelflügel

komm, sag ich: jubeln wir uns durchs blau
bodenkontakt ist nicht länger nötig
und schlafen können wir einfach im flug

—————

Mauersegler sind erstaunliche Vögel. Sie verbringen den größten Teil ihres Lebens in der Luft. Bis zu zehn Monate, ohne ein einziges Mal zu landen. Sie essen im Flug, sie lieben sich im Flug und sie schlafen sogar während sie fliegen.

Text & Foto: Sandra Blume

abschied ist ein stumpfes schwert

Gedichte

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abschied ist ein stumpfes schwert
wie lang schon hättest du ausholen,
zum schlag ansetzen müssen
wie lang aber bist du geblieben
hast überlegt, das schwert zu schärfen
hast die klinge geprüft
das rostende metall unterm verwundbaren finger
gefühlt und dich fürs hoffen entschieden
abschied ist: ab-scheiden,
ab-trennen, ab-schneiden,
liegen lassen und ohne dieses weiter gehen
ist: das vergangene vom jetzigen scheiden
und abgeschieden sein, von dem was war
das ist eine traurige sache
da lässt du das schwert lieber stumpf
und sägst nur ein bisschen
an den verhältnissen herum
dabei hätte, was du zurücklässt, gewicht
gewicht, um das du leichter wärst,
wenn du es nicht mehr tragen musst
leg es auf die waage
und dann komm:
nimm den wetzstein zur hand

© Text & Foto: Sandra Blume, Mai 2017

Lietebaum

Gedichte
Manche sagen, dieser Ort ist heilig
Und dass dort etwas zwischen Baum und Borke wohnt
Unter den mächtigen Wurzeln schläft
Vielleicht eine Göttin
Vielleicht die Seele aller Hügel
Die sich in Wellen ziehn zum Horizont
Ein Baum so alt, wie die Landschaft weit ist
Die er bewacht
Ein Hüter von Geheimnissen
Ein Verwahrer von Sorgen
Ein Ort der Wünsche
hinaufgewispert ins Astwerk, wo schon die Sterne ruhn
Winter um Winter
Sommer um Sommer
Sah er uns kommen und gehen
Erklimmend den Herzberg
Zu zweien mit Hoffnung

Und mit Sehnsucht allein

Auf windumspielter Höhe
Zwischen Wacholdern, Weißdorn
Und wogendem Gras
Widersteht er allem Wandel
Und kleinmenschlichem Ringen
Mit heiligem Gleichmut