Fragment

Miniaturen

Wie ein Vogel flattert dein gefangenes Herz an meines, wenn wir liegen
eng verschlungen, Haut an Haut.
Es schlägt für einen innigen Augenblick in meiner Brust.

Später: bergauffließende Wasser voll von Erinnerungen, die du heimlich auf goldrote Ahornboote häufst und mit der Strömung treiben lässt.

Mit dir fließen alle Wasser in meine Richtung.

Herbstmorgen

Gedichte

Den Duft nach Reife trägt die Luft
Und auch im Licht sind erste schwarze Töne.
Komm bald, mein Liebster,
denn der Sommer geht vorbei.

Es bleibt nur wenig Zeit
Auf Wiesen noch zu liegen
In warmen Wassern zu treiben
Die Sonne im Gesicht.

Leg dir die Hand aufs Herz
Ich spür es schlagen
Lass uns ineinander wachsen
Für eine kleine Zeit

Halt an den Augenblick
Für ein Stückchen Sommerewigkeit.

Herz aus Glas

Gedichte

Auf den Straßen kocht der Asphalt.
Die Gräser dürren am Halm zu Heu.
Und ermattet liegen alle Blumen,
die du zu meinem Empfang hast gesät.

Blau knallt der Himmel auf uns nieder,
aus schlaffem Gezweig winkt ratlos der Wind.
Und stöhnend lieben wir die heißen Stunden,
die wohl die letzten dieses Sommers sind.

Unsere Gesichter nah und näher
atmen wir nur noch Haut an Haut.
Wir leben im Schatten vergangener Tage.
In einem Schloss aus glühendem Sand gebaut.

Und so viel ich unter deiner
zärtlichen Hand vergaß:
Mein Herz aber, mein Liebster,
ist ein Ding aus Glas.

Dreiunddreißig mal mehr

Gedichte

Wie ein kleiner dunkler Fächer flattern ihre Wimpern,
wehren sich noch gegen Nacht und Schlaf.
Weiches Licht wirft lange Schatten,
müde schmiegt sie sich in meinen Arm.

Mit der Fingerspitze streich ich sachte ihr die Haare aus der Stirn,
fahr entlang der kleinen Nase und zurück bis an ihr Ohr.
Draußen singen alte Pappeln, in der Ferne bellt ein Hund.
Und ich atme leise, leise – goldnes Haar an meinem Mund.

Nichts duftet besser auf der Welt…
„Streichel mir den Rücken, Mama!“
Und ich steige mit den Fingern wirbelabwärts,
wie auf einer Treppe, die für kleine Elfen scheint.

Ich umkreise zarte Schulterblätter,
so spitz, als würden nächstens Flügel wachsen.
Die schmalen Rippen unter honigweicher Haut –
ihr kleiner Leib ist so verletzlich…

„Mama“, sagt sie, „von allen Menschen,
die ich ohnehin schon hundert Mal lieber habe als den Rest,
habe ich dich am allerliebsten.
Mindestens dreiunddreißig Mal mehr.“

Und ich fließe über vor Liebe.

©Poeta 2016

Regenlied

Gedichte

Regen fällt in dichten Fäden.
Konzertiert auf allen Schindeln,
Plätschert durch die engen Rinnen,
Rauscht in übervolle Fässer,
Klopft auf meine schrägen Fenster
Deinen Namen noch und noch…

Reingewaschen. Fortgespült.

Neue Bäche strömen.
Das Haus eine träumende Insel
verblassend
in den Wassern.

©Poeta 2015