Dorfsonntag

Gedichte

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Sonntagsruhe über dem Dorf.
Vereinsamt die krummen Gassen,
In denen neidisch enge Giebel
Nach ihren Nachbarn schielen.
Ein schwerer Himmel ist darüber aufgehängt,
Den selbst der Pfarrer nicht zu heben weiß.
Und ohne Wunder ging auch diesmal seine Predigt
Vorüber an der Handvoll Leutchen
In ihrer immer gleichen Bank.
Nur auf dem kleinen Kirchhof,
Mit den im Wettbewerb gepflegten Gräbern,
Ist Leben:
Unterm alten Eibisch leuchten Winterlinge
Wie kleine Sommer auf.
Herab vom buckligen Kapellendach
Ruft sehnsuchtsvoll die Ringeltaube
Nach ihrem neuen Liebsten.

9 Gedanken zu “Dorfsonntag

    1. Avatar von Sandra Blume

      Das Gedicht ist zwar auf meinem Dorfkirchacker am Sonntag entstanden, aber es ist natürlich auch viel dichterische Freiheit dabei. Wir haben hier gar keinen Pfarrer…😉

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  1. Avatar von Ule Rolff

    Du hast eine so dichte Stimmung erfasst in diesem kleinen Text, so viel mehr, als nur den Sonntag, so viel Vergangenheit, auch Zukunft: ich bin ganz begeistert.
    Dieser Text enthält nicht ein bestimmtes Dorf, ich erkenne darin weitere, vielleicht einfach DAS Dorf.

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