Ungeborgen

Gedichte

Die blauen Träume
Ließen dich allein
Mit aschenem Lächeln
Flussaufwärts
Flussabwärts
Bist du nun geborgen
Auf grauem Stein

 

 

Ich spreche kein Wort Isländisch. Dennoch ist sind diese Verse eine Art „Übersetzung“. Auf Olafur Arnalds wunderbarer Platte „Island Songs“ spricht der isländische Dichter Einar Georg ein seltsam berührendes Gedicht. Ein Gedicht, das schon wie eine Musik klingt, längst bevor die musikalische Begleitung einsetzt. Ich weiß nicht, wovon es handelt. Nur, dass es mich nicht loslassen wollte in den letzten Tagen. Eines Abends sangen diese isländischen Verse in meinem Kopf  und mir kamen Worte in meiner eigenen Sprache in den Sinn. Als ich am nächsten Tag am Fluss entlang ging, entstand dieses kleine Gedicht – beinahe wie von selbst. Ich habe erst versucht, noch mehr von dem Gedicht zu „übersetzen“, aber schnell gemerkt, dass alles, was ich dazu fühle, schon in diesen wenigen Zeilen liegt.

6 Gedanken zu “Ungeborgen

    1. Heute Morgen habe ich das zum ersten Mal intensiv auch so empfunden. Die letzten beiden Strophen scheinen davon zu erzählen. Inzwischen weiß ich auch, dass das Gedicht von einem Fluss handelt, der dem Dichter Heimat ist. Merkwürdig und irgendwie magisch, dass auch mir Flussgedanken dazu kamen… Hier riss der Himmel heute morgen nach einem Unwetter plötzlich auf. Die Luft war so klar, dass man hätte hineinpieksen können und die Sonne ließ die Regentropfen an allen Zweigen aufleuchten wie Schnüre aus tränenförmigen Kristallen.

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